Stadion Letná, Praha   Leave a comment

Samstag, 18.02.2012, 18:20 Uhr
Stadion Letná, Praha
AC Sparta Praha – 1. FC Slovácko 1:0 (1:0)

Fassungsvermögen: 20.854 Zuschauer

Zu einer ungewöhnlichen Anstoßzeit, um 20 nach sechs, lud das Stadion Letná zum Flutlichtspiel ein. Der Ground, der in den letzten zehn Jahren bereits drei verschiedene Sponsornamen (Toyota, AXA und jetzt Generali) trug, wurde im Mai 1917 eröffnet. Seit jeher ist die Spielstätte im Nordwesten der Stadt Heimat des tschechischen Rekordmeisters Sparta Prag, der über die Landesgrenzen hinaus einen gewissen Bekanntheitsgrad inne hat. Das Stadion Letná erhielt vier Jahre nach seiner Eröffnung 1921 durch den Architekten Lev Lauermann, die damals modernste Holztribüne Mitteleuropas. Bei einem Umbau 1934 kam es in der Haupttribüne zu einem Brand, wodurch das gesamte damalige Klubarchiv niederbrannte. Die abgebrannte Holztribüne wurde in den folgenden Jahren durch eine Stahlbetontribüne ersetzt. Nach weiteren Umbaumaßnahmen Ende der 1960er Jahre, ließ der Unternehmer Petr Mach ohne Baugenehmigung das Stadion zu einem All-Seater umbauen. Zuletzt wurden Überlegungen laut an der Stelle des Sparta-Stadions ein neues Nationalstadion mit Platz für 40.000 Zuschauer zu erbauen. Bislang fehlt es jedoch an Investoren für das Projekt.

Bereits von der Hauptstraße Milady Horákové lassen sich die Reviermarkierungen der Sparta-Ultras und der 2007 formierten Prague Boys an der Südseite des Stadions beäugen. Die großen Graffitis an der Mauer können sich in jedem Fall sehen lassen. Von der aktiven Fanszene wird überwiegend das alte Wappen des 1893 gegründeten Clubs verwendet. Die Schmierereien auf der kleineren Mauer weisen darauf hin, dass bei Sparta einige Anhänger mit rechter Gesinnung anzutreffen sind.

An den Kassenhäuschen boten kurz vor Spielbeginn einige Sparta-Fans ihre Karten für wenig Geld an, sodass ich mich mit einer Haupttribünenkarte für 100 Koruna česká (vier Euro) eindeckte. Leider sind die Zuschauerzahlen in der Tschechischen Republik sehr niedrig. Zum Spitzenreiter der Gambrinus Liga kamen heute gerade einmal 8.362 Zuschauer in das Stadion.

Wie bei allen besuchten Spielen an diesem Wochenende gab es vor Spielbeginn zu Ehren von Lukáš Přibyl eine Schweigeminute. Der Vizepräsident von Sparta Prag wurde am 9. Februar tot in seinem Büro aufgefunden. Seine Todesursache ist noch nicht endgültig geklärt. Eines steht wohl fest, er starb mit nur 33 Jahren viel zu früh. Gefreut hätte sich der Vize-Präsident über den druckvollen Start seiner Mannschaft, die bereits in der 1. Minute durch den Kroaten Andrej Kerič in Führung ging. Dies sollte am heutigen Abend jedoch der einzige Treffer bleiben.

Überrascht war ich von den knapp 100 angereisten Fans des FC Slovácko. Diese brachten neben einer ordentlichen Zaunbeflaggung auch gut geölte Stimmen mit. Fast pausenlos wurde die Mannschaft untermalt von vielen kleinen Schwenkfahnen über 90 Minuten unterstützt. Höhepunkt des Auftritts stellte die oberkörperfreie Hüpfaktion mit dem Rücken zum Spielfeld da. Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt mehr als respektabel, dabei entstand der 1. FC Slovácko erst im Jahr 2000 aus der Fusion des FC SYNOT aus Staré Město und des FC SYNOT Slovácká Slavia aus Uherské Hradiště (Ungarisch Hradisch). Ein weiteres Beispiel dafür, dass der tschechische Fussball geprägt ist von Vereinen mit undurchschaubarer Geschichte und kuriosen, teils schleierhaften Fusionen.

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Veröffentlicht 25. Februar 2012 von stadionkult in Berichte, Neuigkeiten

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