Stadion Juliska, Praha   Leave a comment

Freitag, 17.02.2012, 20:15 Uhr
Stadion Juliska, Praha
FK Dukla Praha – Viktoria Žižkov 3:0 (3:0)

Fassungsvermögen: 28.000 Zuschauer

Einen Tag nach dem Europapokalspiel der Knappen in Pilsen ging es in die Goldene Stadt Prag, die ich von meiner Abschlussfahrt bereits bestens kannte. Dieses Mal sollte allerdings nicht Stadtbesichtigung im Vordergrund stehen, sondern – wie soll es auch anders sein – König Fußball den Ton angeben. Der Spielplan der Gambrinus Liga meinte es gut mit den erkundungslustigen Stadionfreunden und brachte einige interessante Partien für diese hervor. Ein Abendspiel im durch die überdimensionale Haupttribüne bekannten Stadion Juliska machte dabei den Anfang.

Zusammen mit dem Kater vom Vorabend brausten wir durch das von Abendlichtern durchflutete Prag in den Norden der Großstadt, wo die Spielstätte des ehemaligen Armeeklubs Dukla Prag, in der der Club seit 1960 zu Hause ist, liegt. Die Geschichte von Dukla ist in den letzten Jahrzehnten mit einigen Hochs und Tiefs verbunden. Zum Ende des kommunistischen Regimes hatte der Armeeklub mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, da die bisher übliche staatliche Unterstützung ausblieb.

Ein Unternehmer namens Bohumír Ďuričko nahm die schlechte Lage des Clubs zum Anlass für seine Geschäfte und kaufte Dukla für zwölf Millionen Kronen. Dabei führte er nichts gutes im Schilde, sondern interessierte sich mehr für die Pläne in der Umgebung des Stadion Juliska ein Wohnviertel für Reiche zu erbauen, als um das eigentliche Vereinsleben. Dementsprechend negativ verlief die sportliche Entwicklung, bis es in der Saison 1996/97 zu einer Fusion mit dem FC Příbram kam. Ďuričko verkaufte den Verein aus Frust über sein gescheitertes Bauvorhaben an den dortigen Unternehmer Jaroslav Starka. Kurzerhand tauschte man die Spielklassen, sodass der Verein unter dem Namen FC Dukla Příbram als Zweitligameister wieder in der ersten Liga auftauchte. Kurze Zeit später wurde zu allem Überfluss auch noch der Name von der Lebensmittelfirma Marila gekauft, sodass die Bezeichnung Dukla gänzlich von der Fußballbühne verschwand. Wo also lange kein Dukla mehr drin war, stand nun also nicht mal mehr Dukla drauf.

Dies sollte zum Glück nicht das Ende der Geschichte sein, denn eine Jugendabteilung gründete sich unter dem alten Vereinsnamen neu und fusionierte einige Zeit später mit dem FK Dukla Dejvice, wo es in der fünfthöchsten Spielklasse einen Neustart gab, der es letztlich – über Umwege und weitere Fusionsgeschäfte – zurück in den tschechischen Profifußball schaffte. Zuletzt musste der Traditionsclub für seine Heimspiele in das Stadion Evžena Rošického, in dem so ziemlich jeder Hauptstadtclub über die Jahre einmal gespielt hat, ausweichen. So bekam die riesige Haupttribüne zum Teil neue Sitzschalen und der Rasen eine Rundum-Erneuerung samt Heizung. Da Stadion und Grundstück nach wie vor Eigentum des tschechischen Verteidigungsministeriums sind, gestaltet sich die Renovierung weitaus komplizierter, als dies bei einem städtischen oder vereinseigenen Stadion der Fall wäre. Inzwischen darf Dukla wieder im Stadion spielen. Die Tribüne erstrahlt hingegen noch nicht wieder im gewohnten Glanz, denn lediglich die mittleren Sitzschalen sind installiert. So fehlt dem Dukla-Schriftzug auf der berühmten Haupttribüne sowohl das D als auch das A.

Ansonsten gab es allerdings nichts zu meckern, denn Dukla legte auf dem Platz los wie die Feuerwehr, sodass es bereits nach etwas mehr als einer Viertelstunde 3:0 für die Gastgeber stand. Einige Fans von Viktoria Žižkov waren ebenfalls im eingezäunten Gästeblock im oberen Eck der Tribüne von der Partie. Diese konnten sich bis auf eine nette Pyroshow akustisch nicht sonderlich in Szene setzen, was bei dem Spiel ihrer Mannschaft auch verständlich war. Die Zaunbeflaggung erweckte indes den Eindruck, dass hinter der Fahne ein stattlicher Gästemob steht. Bei genauerer Betrachtung entpuppte sich dieser jedoch ähnlich wie der Heimanhang als kleinerer Haufen. Auch die Dukla-Fans zündeten, wie es sich bei einem Flutlichtspiel gehört, einige Male weniger kontrolliert Pyrotechnik. Besonders eine Katz und Maus Aktion eines Dukla-Supporters sorgte dabei für Lacher. Bevor ein Feuerwehrmann eine noch leuchtende Fackel entsorgen konnte, rannte der Scherzbold die Stufen hinunter, um sie kurz vor dem mit Zange ausgerüsteten Löschmeister aufzuheben. Anschließend warf er die Fackel wieder auf den Boden.

Unter keinen Umständen auf den Boden werfen sollte man im Stadion Juliska, das sich für 100 Kronen (4 Euro, wohlgemerkt erste Liga) besichtigen lässt, die frisch zubereitete Klobasa. Ein Gaumenschmaus von dem man nicht genug bekommen kann. Gerüchten zu Folge schaffte es ein Fan der Frankfurter Eintracht 14 der in tschechischen Stadien beliebten Würste zu verzehren. Respekt an den Main!

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Veröffentlicht 21. Februar 2012 von stadionkult in Berichte, Neuigkeiten

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